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Schlachthof: Bald Parkplatz für neue Eventhalle?

, 3. Dezember 2019

Bei der Stadtteilkonferenz am 9. November in den Räumen der Michaels-Gemeinde ging es auch kurz um das Schlachthof-Areal an der Minervastraße. Das Gelände ist eines von Wehringhausens größten Sorgenkindern. Jetzt kommt neue Bewegung in das Thema.

Ruinen im hinteren Teil des Schlachthofgeländes
Der hintere Teil des Schlachthofs besteht teilweise aus Ruinen. Hier möchte ein Investor Parkplätze für eine neue Eventhalle bauen. (Foto: Jan Eckhoff)

Eigentlich sollte das Areal schon vor über zwölf Jahren in einen „Cool-Tour-Hof“ verwandelt werden. Damals stand die Bürgerbeteiligung im Viertel erstmals groß auf dem Programm, man traf sich zu Präsentationen und Workshops, es gab viele Ideen: Vom Wurstmuseum bis zum Trendsport-Park war vieles dabei. Kann man hier in einem Artikel in der Westfalenpost vom 23. Mai 2007 nachlesen.

Aus den Plänen geworden ist, wie man bei einem flüchtigen Blick auf das Gelände natürlich schnell bemerkt: Nichts. Denn die Stadt Hagen hatte damals die Chance zu einem schnellen Euro ergriffen und das Gelände an einen „Investor“ verkauft, dessen Pläne sich schnell als Schall und Rauch darstellten. Nach diversen Konkursen, Überschreibungen und Inhaberwechseln quer durch die Republik wurde das Gelände zwischenzeitlich aufgeteilt und hat mittlerweile verschiedene Besitzer*innen.

Trotz dieser etwas undurchsichtigen Situation ging es auch bei der Stadtteilkonferenz wieder um eine umfassende gewerbliche und gleichzeitig auch kulturelle Nutzung des Geländes mit einem Gesamtkonzept. Entweder wolle die Stadt das Gelände kaufen (hierzu WP vom 31. August – leider hinter der Paywall) oder die Besitzer*innen zur Mitwirkung verpflichten. Die Pläne aus den Workshops von 2007 waren der Stadtmitarbeiterin leider auf Nachfrage vor Ort scheinbar nicht bekannt.

Und dann lässt plötzlich eine Meldung heute früh in den Nachrichten von WDR 2 aufhorchen: Ein „Investor“ sei an die Stadt herangetreten. Der Stadtentwicklungsausschuss würde heute über eine Bebauung des Geländes mit einer sogenannten „Eventhalle“ beraten.

Ein Blick in das „Bügerinformationssystem der Stadt Hagen“ schafft Klarheit: Tatsächlich steht das Thema heute um 16 Uhr auf der Tagesordnung im Rathaus. Und nicht nur das: Bereits vor fast zwei Wochen, am 21. November, wurde es schon in der Bezirksvertretung Mitte besprochen und dort einstimmig von CDU, SPD, den Grünen, der FDP, der Linken und Hagen Aktiv begrüßt. Dass darüber in der Lokalpresse oder anderweitig öffentlich berichtet worden wäre, ist mir allerdings nicht bekannt.

Doch was genau plant der Investor?

Der Herdecker Vural Delibasi ist Geschäftsführer der „Eventhalle Hagen“ bzw. deren Betreibergesellschaft Event Hagen GmbH an der Rehstraße im ehemaligen Sozial-/Kantinengebäude der Enervie bzw. Stadtwerke Hagen. Das restliche ehemalige Enervie/Stadtwerke-Gelände wird mittlerweile unter dem Namen „Gewerbepark Stadtwerk“ von dem Berliner Immobilieninvestor Udo Krollmann betrieben und beheimatet unter anderem die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, eine Securityfirma, eine Fahrschule und ein Gebäudereinigungsunternehmen. Einige am Gebäude gelistete Firmen befinden sich dort allerdings schon seit Jahren nicht mehr. Das komplette Areal schließt östlich unmittelbar an das ehemalige Schlachthofgelände an.

Delibasi gibt an, seine Eventhalle, die auf etwa 2.000 Quadratmetern Fläche auf zwei Etagen rund 500 Personen Platz bietet, sei nach drei Jahren Betrieb nun so gut ausgelastet, dass er sie gerne erweitern möchte. Dafür soll unmittelbar hinter dem jetzigen Gebäude auf dem großen Parkplatz des „Stadtwerk“ ein Neubau mit einer Grundfläche von 2.300 Quadratmetern errichtet werden.

Dieses gesteigerte Platzangebot für ein „multikulturelles Eventangebot“ benötigt natürlich Parkplätze. Der Plan von Delibasi: Die beiden Gelände (Enervie/Stadtwerke und Schlachthof) werden verbunden. Auf dem Schlachthofgelände werden verschiedene Gebäude – unter anderem die alte Verwaltung sowie die durch Brände beschädigte Dönerfarbik und eine ebenfalls stark beschädigte Lagerhalle – abgerissen und durch Parkplätze ersetzt. Auch der Geländeteil am S-Bahn-Haltepunkt Wehringhausen, Einfahrt Minervastraße, wird zu Parkplätzen umfunktioniert.

Delibasi bekräftigt in seinem Antrag an die Stadt Hagen die positive Entwicklung für das Gelände und das gesamte Quartier.

Die Eventhalle an der Rehstraße
Auf dem Parkplatz hinter der Eventhalle soll ein deutlich größerer Erweiterungsbau gebaut werden. Parkplätze könnten dann auf dem Schlachthofgelände entstehen. (Foto: Jan Eckhoff)

Und was sagt die Stadt?

Der städtische „Fachbereich Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung“ empfiehlt den Politiker*innen des Stadtentwicklungsauschusses, es denen der Bezirksvertretung gleich zu tun und das Konzept des Investors „unter Einhaltung der Rahmenbedingungen“ zu befürworten.

Das bedeutet: Das „INSEK – Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept“ (PDF) soll bei der Durchführung berücksichtigt werden. Die Bodenversiegelung muss durch die Errichtung eines Parkhauses statt einzelner Parkplätze minimiert werden. Die Umgebung soll integriert und das Gelände zum Stadtteil geöffnet werden. Eine Fuß- und Radverbindung von der Minerva- zur Rehstraße soll entstehen.

Um das Bauvorhaben zu sichern, empfiehlt die Stadtverwaltung der Politik weiterhin, sie solle das hier zulässige „Vorkaufsrecht“ ausüben und wo möglich selbst Flächen auf dem Schlachthofareal erwerben. So könne die Entwicklung besser gesteuert werden und in den verbliebenen Bereichen eine kulturelle Nutzung erfolgen.

Die Hoffnung …

… stirb bekanntlich zuletzt. Hoffen wir also, dass Politik und Verwaltung diesmal wirklich langfristig denken und nicht für eine geldversprechende Investorenentscheidung die Entwicklungen in diesem Teil des Viertels auf erneut mehr als zehn Jahre blockieren. Eine Nutzung für eine solche Halle, die auch den Menschen im Viertel zugute kommt, ist bestimmt mit entsprechenden Auflagen möglich.

Übrigens fällt zuletzt beim Studium des vom Investor vorgelegten Planes ein Detail auf, dass in den städtischen Ausführungen keinerlei Erwähnung findet: Im ehemaligen Stadtwerke-Bürogebäude, unmittelbar neben der bereits bestehenden Eventhalle, ist an der Wehringhauser Straße die Einrichtung einer neuen, dreizügigen Kindertagesstätte vorgesehen. Es bleibt spannend!

Verwendete Quellen:

  • Nachrichten auf WDR2, 3.12.19 um 7 Uhr
  • Div. Artikel der Westfalenpost, im Text verlinkt
  • via Bürgerinformationssystem der Stadt Hagen: Brief von Vural Delibasi; Plan „Neuordnung des Enervie- und Schlachthofgeländes in Hagen, Wehringhausen“ des Büros Meier + Partner Architekten; Informationen und Empfehlungen des Fachbereichs Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung.
  • Handeslregister
  • Eigene Recherche vor Ort
  • Eigener Besuch der Stadtteilkonferenz am 9.11.19
  • Eigener Besuch der Planungsworkshops im Jahr 2007




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Autor_in:
Jan Eckhoff ist verantwortlicher Redakteur von wehringhausen.org und arbeitet auch sonst mit Texten, Bildern und Internetseiten. Er lebt schon fast sein gesamtes Leben in Wehringhausen.