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Wie man die obere Pelmke auf den Hitzesommer vorbereitet

, 24. April 2020

Von Thomas Geißler, Wetter für Hagen

Am 25. Juli 2019, dem heißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen mit Werten über 40°C im Ruhrgebiet, habe ich für meine Masterarbeit eine Reihe an Messungen in mehreren Hagener Quartieren durchgeführt. Da vor dem Hintergrund des Klimawandels heiße Dürresommer tendenziell zunehmen, hat mich interessiert, ob die zugeschriebene Kühlleistung vorhandener Grünstrukturen in Städten auch nach wochenlanger Trockenheit und bei extremer Hitze noch besteht – und wie man diese zukünftig optimieren kann. Dafür habe ich auch ein Quartier im oberen Wehringhausen, entlang der Bach- und der Pelmkestraße, untersucht.

Große Hitzeprobleme

Vormittagsmessungen am 25. Juli 2019, normiert auf 11:38 Uhr (Grafik: Wetter für Hagen)

Im Klimaanpassungskonzept der Stadt Hagen sind große Teile Wehringhausens mit einer hohen zukünftigen Hitzebetroffenheit als Problemgebiet ausgewiesen. Mich interessierte deshalb, ob der südöstlich angrenzende Waldhang entgegenwirken und zumindest Teile des oberen Wehringhausens kühlen kann. Doch auch die Kühlfunktion der großen Vorgärten und der vielen Alleebäume war für mich interessant.

Zur Analyse habe ich Temperatur- und Luftfeuchtemessungen am Vormittag (11:17 bis 11:50 Uhr) und am Nachmittag (16:25 bis 16:59 Uhr) an knapp 25 verschiedenen Standpunkten durchgeführt. Je nachdem wie sich die Werte zueinander verhalten, kann man räumliche Beziehungen ableiten, die das Lokalklima an diesem Tag zeigen. 

An den Vormittagsmessungen kann man erkennen, dass der Waldhang noch bis in Bereiche der oberen Bachstraße und der Schumannstraße eine aktive Kühlung bewirkte (meist um 34°C). Jedoch war die komplette Zone entlang der Dömbergstraße mit Werten von meist über 36°C im Schatten bereits vor der Mittagszeit extrem hitzebelastet. In dieser Zone befinden sich Alleebäume mit relativ geringen Blattanteilen, sodass die Sonne dort den kompletten Straßenzug aufheizen kann. Die Kühlleistung des Waldhangs ist hier trotz Südwinds bereits wirkungslos.

Nachmittagsmessungen am 25. Juli 2019, normiert auf 16:42 Uhr (Grafik: Wetter für Hagen)

Entlang der Eugen-Richter-Straße bzw. Buscheystraße konnte man einen starken Windzug wahrnehmen (vermutlich durch den Verkehr) und die Temperaturen waren dementsprechend leicht verringert (34-36°C).

In den Nachmittagsmessungen breitete sich der heiße Strang der Dömbergstraße weiter nordwärts bis in Kernbereiche Wehringhausens aus (39,1-40,3°C). Die Kühlung des Waldhangs schwächte sich weiter ab und erreichte maximal noch angrenzende Straßenzüge (38,1-39°C). Auf mikroklimatischer Ebene zeigten sich vor allem Sandflächen von Spielplätzen sowie sonnenbestrahlte Wiesen oder Sträucher stark hitzeempfindlich. Vorgärten können bei mangelnder Beschattung die Hitzeentwicklung also sogar unterstützen.

Mehr Grün

Die Alleebäume im oberen Wehringhausen bieten einen guten Hitzeschutz. (Foto: Jan Eckhoff)

Die Stadt Hagen plant laut Integriertem Klimaanpassungskonzept (2018) für Wehringhausen Fördermittel aus dem Soziale-Stadt-Programm für Fassaden- und Dachbegrünungen zu nutzen oder Problemimmobilien anzukaufen, um diese abzureißen und dort neue Parkflächen zu errichten. Allgemein soll in der Stadt eine bessere Grünvernetzung durch durchgrünte Siedlungsbereiche entstehen.

Ich persönlich begrüße beide Ansätze vor dem Hintergrund zunehmender Trockenheit und heißer Sommer. Es ist aber genauso wichtig, bestehende Grünstrukturen wie die vielen Alleebäume oder Rasenflächen zu stärken, zum Beispiel durch stärkere Bewässerung und Bepflanzung neuer trocken- und hitzeresistenter Baumarten mit ausladenden Baumkronen. Dabei scheint die Beschattung das wirkungsvollste Mittel darzustellen, wenngleich es Jahrzehnte und gute Pflege benötigt bis derart dichte Laubstrukturen neu entstehen können.

Wer sich für Auswertungen weiterer Hagener Grünquartiere interessiert, darf gerne Wetter für Hagen auf Facebook und Twitter verfolgen. Dort wird die Serie zeitnah fortgesetzt.




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