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Der Stand der Dinge: Die Wehringhauser Woche

, 20. März 2020

Hallo liebe Menschen im Viertel,

das neue Coronavirus SARS-CoV-2 und die von ihm ausgelöste Krankheit Covid-19 bestimmen mittlerweile fast unser gesamtes Leben. Die Informationslage ändert sich stündlich, in Deutschland haben sich in den vergangenen 24 Stunden rund 3.000 Menschen neu angesteckt, auch in Hagen hat sich die Zahl der bestätigten Infektionen binnen eines Tages um ein Drittel auf 28 erhöht. In Italien sind bereits tausende Menschen gestorben.

Dennoch tun viele Leute so, als wäre nichts geschehen oder übertreiben maßlos – in Wehringhausen sind nachts Gruppen Jugendlicher unterwegs und tagsüber sehe ich auch immer wieder Menschen, die fröhlich beieinanderstehen.

Von Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und den Schwächsten in der Gesellschaft ist da nicht viel zu spüren, getreu dem Motto: „Was man mir nicht ausdrücklich verbietet, das mache ich erst recht!“ Eine besorgniserregende Einstellung, die irgendwann zu drastischen Maßnahmen wie Ausgangssperren führen muss.

In diesem Newsletter versuche ich, euch über den aktuellen Stand der wichtigsten Dinge in Hagen und natürlich besonders Wehringhausen zu informieren. Vieles davon kann aber bereits in Stunden nicht mehr gelten. Wenn ihr regelmäßig auf dem Laufenden bleiben möchtet, empfehle ich euch meinen Infokanal im Messenger „Telegram“ sowie meinen Twitter-Account. Dort gibt es nach Möglichkeit die wichtigsten Infos aus Hagen sofort und kompakt:

TELEGRAM: http://t.me/wehringhausen

TWITTER: https://twitter.com/wehringhausen

Und wenn ihr es irgendwie einrichten könnt: Bleibt bitte zuhause!


Aktuelle Maßnahmen

Die Angehörigen der Hagener Rettungs- und Hilfsdienste, die dort draußen rund um die Uhr für uns da sind, appellieren: Bleibt zuhause! (Foto: Stadt Hagen)

Weitere Ansteckungen zu vermeiden hat höchste Priorität: Die Schulen und Kitas sind zu, auch alle Kinderspielplätze und Sportanlagen dürfen nicht mehr betreten werden. Ebenso sind sämtliche Kultur-, Jugend- und Freizeiteinrichtungen geschlossen.

Seit Mittwoch sind auch die meisten Geschäfte in Nordrhein-Westfalen dicht. Noch geöffnet haben (diese vier nun sogar sonntags) der Lebensmittelhandel, Wochenmärkte, Apotheken und Drogerien. Außerdem sind regulär Banken, Bau- und Gartenmärkte, Tierfuttergeschäfte und Friseursalons geöffnet. Auch Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe arbeiten möglichst weiter. Der Versandhandel läuft ebenfalls weitgehend gewohnt, lediglich stellen euch die meisten Lieferdienste die Pakete nur noch ohne Unterschrift vor die Tür.

Je 250 Quadratmetern Fläche dürfen sich in den Geschäften in Hagen maximal 20 Personen gleichzeitig aufhalten.

Restaurant dürfen nur noch bis 15 Uhr öffnen, Cafés und Kneipen bleiben gänzlich geschlossen.

Bei Verstößen drohen Strafen! Das Hagener Ordnungsamt ist verstärkt unterwegs. Gruppen, die sich offensichtlich für eine Zusammenkunft zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen oder in Parks verabredet haben, werden aufgelöst und ein Bußgeld von mindestens 150 Euro verhängt. Ladeninhaber*innen, die sich nicht an die angeordnete Schließung halten, drohen vierstellige Bußgelder und die Versiegelung der Geschäftsräume.

Fernbusse sind komplett eingestellt. Busse in Hagen fahren nur noch nach dem Samstagsfahrplan, bis Ende kommender Woche soll das Angebot an Regional- und S-Bahnen in NRW um die Hälfte reduziert werden.

Bitte beachtet, dass auch der Hagener Entsorgungsbetrieb viele Dienstleistungen reduziert hat: Die Entsorgung von Altpapier, Altglas und Gelben Säcken an den Wertstoffhöfen und am Wehringhauser Wochenmarkt sowie die Anlieferung von Müll an der Müllverbrennungsanlage ist derzeit nicht möglich. Die Müllabfuhr kommt deutlich früher als gewohnt (Tonnen bitte bis 6 Uhr rausstellen).

Die Sprechzeiten fast aller öffentlichen Einrichtungen finden nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt statt.

Hilfsangebote, von denen es in Hagen sehr viele gibt, und Hilfsbedarf versucht die Hagener Freiwilligenzentrale derzeit zu bündeln und zu koordinieren. Infos: Telefon 02331 / 1841-70 oder 02331 / 1841-71 und coronahilfe@fzhagen.de.


Gewerbe im Viertel

Das Comic Centrum ist ja quasi eine „Ständige Vertretung“ Wehringhausens in der Innenstadt. Dort hat man sich den „Plus Deckel“ überlegt: Ihr kauft jetzt einen Gutschein, den ihr nach der „Krise“ gegen Comics und Gimmicks eintauschen könnt. (Foto: Comic Centrum)

In Wehringhausen ist der Einzelhandel ebenfalls stark eingeschränkt, für viele Händler*innen drohen existenzgefährdende Einkommensausfälle.

Einige Gastronomiebetriebe haben komplett geschlossen (etwa die Waldlust), andere (bspw. Taverne Filos, Pizzeria Bollywood) haben ausschließlich auf Lieferservice umgestellt.

Wenn euch daheim der Lesestoff ausgeht, bietet auch die Buchhandlung Quadrux nun einen Lieferservice an, ebenso die Buchhandlung Lesen & Hören aus der Innenstadt, deren Betreiberin aus Wehringhausen kommt und hier bspw. im Lenkungskreis aktiv ist. Beim ebenfalls eng mit Wehringhausen verbundenen Comic Centrum könnt ihr per E-Mail oder Facebook Gutscheine bestellen und nach Wiedereröffnung einlösen.

Bittet beachtet auch, dass Banken zwar grundsätzlich geöffnet sind, jedoch nicht die Sparkassen-Filiale in Wehringhausen! Wenn ihr Bankgeschäfte am Schalter erledigen müsst, bleibt euch nur der Gang in die Stadt oder die Fahrt nach Haspe.


Brennender Sperrmüll

Brennender Sperrmüll hat bei „walther schmuck“ hohen Schaden verursacht. (Foto: Jens Walther)

Doch nicht nur durch Corona-Schließungen ist der Einzelhandel im Viertel bedroht. Das vor rund einem Jahr eröffnete Atelier „walther schmuck“ wäre fast dem Sperrmüllproblem zum Opfer gefallen.

Goldschmied Jens Walther befand sich am vergangenen Freitag bei der Bandprobe, als plötzlich sein Handy klingelt: „An Ihrem Laden brennt es!“

Zum Glück hatte eine aufmerksame Nachbarin schnell gehandelt, als Walther an seinem Geschäft in der Moltkestraße eintrifft, ist das Feuer bereits gelöscht. Dort war ein alter, achtlos abgestellter und mit Zeitungspaketen beladener Kinderwagen in Brand geraten, vor die Ladentür gerollt und hatte diese stark beschädigt.

„Der alte Kinderwagen stand schon einige Tage ein Stück die Straße rauf und ich hatte mehrfach gedacht, ich rufe jetzt mal die ‚Waste Watcher‘ an“, sagt Walther. Letztendlich zum Telefon gegriffen hat er dann aber nicht. Was er künftig ändern möchte: „Unter’m Strich haben wir großes Glück gehabt, aber der Schaden nervt natürlich schon. Künftig werde ich wohl lieber einmal zu viel bei der Stadt anrufen, damit der Müll wegkommt, als zu lange zu warten.“


Termine

Das Kulturprogramm in Hagen ist abgesagt. Oder doch nicht?

Das Team des Kulturzentrum Pelmke sucht nach neuen Wegen und wird am morgigen Samstag, 21. März, ab 20 Uhr erstmals einen dreistündigen Livestream anbieten. Musikalisch wird es Deep- und Techhouse, Electronica und Disco geben, gemischt von Henne (deep, vonwegen_Disco). Zur Unterstützung der Pelmke könnt ihr während des Streams via Paypal Geld in einen „virtuellen“ Hut werfen.

Auf welchen Plattformen gestreamt wird, gibt die Pelmke zeitnah auf Facebook bekannt. Ich versuche, euch rechtzeitig auch via Telegram und Twitter zu informieren.

Und wenn die Technik mitspielt, dürfen wir uns bestimmt in den kommenden Wochen auch auf weitere Inhalte, Livemusik oder Lesungen freuen. Hatopia haben ebenfalls ein Programm mit digitalen Inhalten in Planung, die euch lokale Kultur im Wohnzimmer erleben lassen.


Zum Schluss

Die Ereignisse überschlagen sich, wir alle sind vermutlich derzeit auf die eine oder andere Art überfordert. Umso wichtiger ist es, dass wir möglichst die Ruhe bewahren und auf uns selbst, aber auch auf unsere Mitmenschen aufpassen.

Solltet ihr Fragen, Wünsche oder Anregungen haben, schreibt mir bitte eine E-Mail. Ich werde im kommenden Newsletter möglichst darauf eingehen.


Bitte bleibt, wenn es euch irgendwie möglich ist, zuhause!


Den Wochrückblick kannst du auch in dein E-Mail-Postfach bestellen!




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Autor_in:
Jan Eckhoff ist verantwortlicher Redakteur von wehringhausen.org und arbeitet auch sonst mit Texten, Bildern und Internetseiten. Er lebt schon fast sein gesamtes Leben in Wehringhausen.